Borderline

Borderline 

Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, bei der die Gefühlregulation massiv beeinträchtigt ist. Betroffene fühlen intensiver, reagieren stärker und brauchen länger, um sich zu beruhigen. Das ist keine „Charakterschwäche“, sondern eine echte psychische Erkrankung, die oft früh im Leben entsteht.

 

Ursachen

Borderline entsteht nie durch einen einzigen Auslöser. Meist trifft eine Kombination zusammen:

  • Frühe traumatische Erfahrungen: Gewalt, emotionaler oder sexueller Missbrauch, extreme Vernachlässigung.
  • Instabile Bindungen in der Kindheit: unberechenbare Bezugspersonen, fehlende Sicherheit.
  • Biologische Faktoren: erhöhte Sensibilität des Nervensystems, veränderte Stressverarbeitung.
  • Genetische Belastung: eine gewisse familiäre Häufung ist bekannt.

Kurz: Ein biologisch empfindliches System trifft auf eine belastete oder unsichere Umgebung.

 

Typische Symptome

Die Kernsymptome drehen sich um instabile Gefühle, Beziehungen und Selbstbild.

Häufig sind:

  • Extrem starke Emotionen, die schnell kippen und schwer zu kontrollieren sind.
  • Impulsives Verhalten: Selbstverletzung, Essanfälle, riskantes Handeln, Suchtverhalten.
  • Angst vor Verlassenwerden, oft mit heftigen Reaktionen.
  • Schwierigkeiten, sich selbst zu spüren: Leeregefühl, Identitätsunsicherheit.
  • Schwarz-Weiß-Denken: Personen und Situationen werden extrem idealisiert oder abgewertet.
  • Schnelle Stimmungswechsel ohne klare äußere Ursache.
  • Innere Anspannung, die so stark werden kann, dass Betroffene sich kaum aushalten.

 

Auswirkungen

Borderline beeinflusst fast jeden Lebensbereich:

  • Beziehungen: Nähe und Distanz sind schwer auszubalancieren. Es kommt oft zu Konflikten, Missverständnissen und intensiven Bindungen, die schnell umschlagen können.
  • Alltag & Arbeit: Emotionale Instabilität kann Entscheidungen, Zuverlässigkeit und Stressbewältigung erschweren.
  • Selbstwert: Betroffene schwanken zwischen Überforderung, Scham, Wut und dem Gefühl, „falsch“ zu sein.
  • Gesundheit: Hohe Anspannung, Schlafprobleme, Selbstschädigung, Suchtverhalten oder Essstörungen können zusätzlich auftreten.
  • Langfristige Folgen: Ohne Unterstützung verfestigen sich Muster. Mit Therapie kann sich sehr viel stabilisieren BPS ist gut behandelbar.

 

Bipolare Störung

Bipolare Störung

Die bipolare Störung ist eine affektive Erkrankung, bei der Stimmung, Energie und Antrieb stark schwanken. Betroffene erleben Phasen extremer Hochstimmung (Manie oder Hypomanie) und Phasen tiefer Niedergeschlagenheit (Depression). Diese Schwankungen sind nicht „normale Stimmungsschwankungen“, sondern massiv und beeinträchtigen das Leben deutlich.

Ursachen

Die genauen Ursachen sind komplex.

Meist wirken mehrere Faktoren zusammen:

  • Biologische Faktoren: Veränderungen im Gehirnstoffwechsel (v. a. Dopamin, Noradrenalin, Serotonin).
  • Genetische Belastung: Familiäre Häufung ist gut belegt.
  • Stress und belastende Lebensereignisse: Krankheit wird oft durch starke Belastungen ausgelöst oder verstärkt.
  • Schlafstörungen: Besonders Schlafmangel kann manische Episoden begünstigen.
  • Sensibles Nervensystem: Betroffene reagieren stärker auf äußere und innere Reize.

 

Kurz: Eine genetische und biologische Veranlagung trifft auf Stress oder belastende Umstände.

 

Typische Symptome

1. Depressive Phase:

  • tiefe Niedergeschlagenheit
  • Antriebslosigkeit, extreme Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Schuldgefühle, Selbstzweifel
  • Verlust von Interessen
  • Konzentrationsprobleme
  • im schweren Fall Suizidgedanken

2. Manische Phase:

  • stark erhöhtes Energielevel
  • kaum Schlafbedürfnis
  • übersteigerte Selbstsicherheit bis Größenfantasien
  • impulsive oder riskante Handlungen (Geld ausgeben, gefährliches Verhalten, sexuelle Impulsivität)
  • extrem schnelles Denken und Reden
  • reizbar oder aggressiv in Stressmomenten

3. Hypomanie:

Eine abgeschwächte Form der Manie: erhöhte Energie und Produktivität, aber weniger Kontrollverlust.

Auswirkungen

Die bipolare Störung kann das Leben stark beeinflussen:

  • Beziehungen: Stimmungsschwankungen und Impulsivität belasten Partnerschaften und Freundschaften.
  • Arbeit & Alltag: Extreme Energiephasen und depressive Einbrüche erschweren Zuverlässigkeit und Struktur.
  • Finanzen: Manische Impulse können zu hohen Ausgaben oder riskanten Entscheidungen führen.
  • Gesundheit: Selbstschädigung, Suchtverhalten und Schlafprobleme treten häufig begleitend auf.
  • Selbstbild: Viele Betroffene schwanken zwischen Scham in depressiven Phasen und Kontrollverlust in manischen Phasen.

 

Wichtig: Die bipolare Störung ist behandelbar. Mit Therapie, Medikamenten, stabilem Alltag und guter Unterstützung können Betroffene ein sehr stabiles Leben führen.

Autismus

Autismus-Spektrum 

Autismus ist keine Krankheit, die „weg muss“, sondern eine neurologische Entwicklungsvariante. Das Gehirn verarbeitet Informationen, Reize, Gefühle und soziale Situationen einfach anders. Deshalb ist Autismus ein Spektrum: Die Ausprägungen sind unterschiedlich stark und wirken sich bei jeder Person individuell aus.

Ursachen

Die Forschung ist sich in einem Punkt einig:

Autismus entsteht vor der Geburt. Genetische Faktoren spielen die größte Rolle. Häufig gibt es mehrere beteiligte Gene und keine einzelne Ursache.

Umweltfaktoren wie Stress in der Schwangerschaft können eine Rolle spielen, aber sie verursachen Autismus nicht allein.

Wichtig: Impfungen haben keinen Einfluss dieser Mythos ist längst widerlegt.

 

Typische Merkmale und Symptome

Auch hier gilt: nicht jede autistische Person zeigt alles.

1. Soziale Kommunikation

  • Schwierigkeiten, unausgesprochene Regeln zu verstehen
  • Körpersprache, Mimik oder Tonfall interpretieren fällt oft schwer
  • Smalltalk wirkt anstrengend oder sinnlos
  • Direktheit und Ehrlichkeit oft ohne „soziale Filter“

2. Wahrnehmung & Reize

  • Reizüberflutung durch Geräusche, Licht, Gerüche, viele Menschen
  • Oder das Gegenteil: bestimmte Reize werden kaum wahrgenommen
  • „Stimming“: Bewegungen wie Wippen, Nesteln, Klopfen zur Selbstregulation

 

3. Routinen & Struktur

  • Fester Ablauf gibt Sicherheit
  • Unerwartete Änderungen können massiven Stress oder Meltdowns auslösen

 

4. Spezialinteressen

  • Starke, fokussierte Interessen
  • Sehr detailliertes Wissen in bestimmten Themen

5. Emotionale Regulation

  • Gefühle können extrem intensiv wahrgenommen werden
  • Meltdowns oder Shutdowns sind keine „Wutausbrüche“, sondern Überlastungen

 

Auswirkungen im Alltag

Autismus selbst ist nicht das Problem. Die Schwierigkeiten entstehen oft durch Überlastung, Reizstress und fehlendes Verständnis im Umfeld.

 

Typische Auswirkungen:

  • soziale Erschöpfung („Masking“ kostet Kraft)
  • Probleme in Schule, Ausbildung oder Job, wenn Umfeld nicht angepasst wird
  • höheres Risiko für Depressionen, Angststörungen oder Burnout
  • gleichzeitig starke Fähigkeiten: Detailgenauigkeit, Ehrlichkeit, Konzentration, Kreativität, analytisches Denken

 

Für wen gilt eine Abklärung?

Eine Diagnostik ist sinnvoll, wenn jemand dauerhaft:

  • soziale Situationen als extrem anstrengend erlebt
  • Reizüberflutung oder ständige Überforderung hat
  • starre Routinen braucht, um stabil zu bleiben
  • Schwierigkeiten hat, Emotionen zu regulieren
  • sich „anders“ fühlt, seit der Kindheit
  • oder wenn bereits mehrere Fehldiagnosen im Raum stehen (sehr häufig)

 

Wichtig

Autismus heißt nicht „defekt“.

Autistische Menschen haben ein anderes Betriebssystem kein schlechteres.

Mit Verständnis, angepasster Umgebung und ehrlicher Selbstakzeptanz kann ein autistisches Leben sehr stabil und erfüllend sein.

ADHS

ADHS 

ADHS ist eine neurobiologische Störung der Reizverarbeitung. Das Gehirn filtert Informationen, Impulse, Gefühle und Reize nicht so wie bei neurotypischen Menschen. Das hat nichts mit „schlechter Erziehung“ oder „zu wenig Willenskraft“ zu tun. ADHS ist angeboren und bleibt ein Leben lang bestehen kann sich aber im Verlauf verändern.

 

Es gibt drei Formen:

 

  1. Unaufmerksam
  2. Hyperaktiv/Impulsiv
  3. Kombiniert (am häufigsten)

Ursachen

Die Forschung ist sich relativ einig:

  • Genetik ist Hauptfaktor. ADHS tritt familiär gehäuft auf.
  • Neurobiologische Unterschiede in der Dopamin- und Noradrenalin-Regulation.
  • Reifungsverzögerungen in bestimmten Hirnregionen (v. a. Präfrontaler Cortex).
  • Umweltfaktoren können Symptome verstärken, aber nicht verursachen.
  • ADHS hat nichts mit Intelligenz zu tun.

Typische Symptome

1. Unaufmerksamkeit

  • leichte Ablenkbarkeit
  • Vergesslichkeit, chaotische Organisation
  • Aufgaben beginnen, aber nicht beenden
  • Probleme, Details zu behalten
  • Schwierigkeiten, Gedanken zu sortieren

2. Hyperaktivität

(bei Erwachsenen oft „innere Unruhe“ statt sichtbarer Hyperaktivität)

  • motorische Unruhe
  • ständiger Bewegungsdrang
  • Gefühl von „nie zur Ruhe kommen“

 

3. Impulsivität

  • vorschnelles Handeln ohne Nachdenken
  • starke emotionale Impulse
  • Ungeduld
  • Schwierigkeiten, Reaktionen zu kontrollieren

 

4. Emotionale Dysregulation

Wird oft unterschätzt, gehört aber klar dazu:

  • schnelle Überforderung
  • intensive Gefühle
  • Stressreaktionen, die nach außen „überzogen“ wirken
  • Rejection Sensitivity (sehr empfindlich auf Ablehnung)

 

Auswirkungen im Alltag

ADHS ist nicht nur „Konzentrationsschwäche“.

Es betrifft fast jeden Lebensbereich:

  • ständige Überlastung durch Reizchaos
  • Probleme mit Zeitmanagement und Prioritäten
  • Chaos im Haushalt, bei Finanzen, bei Terminen
  • Konflikte in Beziehungen (Missverständnisse, Impulsivität)
  • erhöhte Wahrscheinlichkeit für Depressionen, Angststörungen, Sucht
  • gleichzeitig: Kreativität, schnelles Denken, Problemlösungstalent, Empathie, Hyperfokus

 

 

Viele Erwachsene werden erst spät diagnostiziert, weil sie kompensieren oft auf Kosten der eigenen Gesundheit.

Für wen ist eine Diagnostik sinnvoll?

Wenn jemand dauerhaft:

  • unorganisiert wirkt, egal wie sehr er sich anstrengt
  • ständig abdriftet oder Aufgaben verliert
  • extrem vergesslich ist
  • emotional schnell eskaliert oder „überläuft“
  • Reize kaum filtern kann
  • sich seit Kindheit „anders“ fühlt
  • oft Burnout-ähnliche Erschöpfung erlebt
  • oder wenn Depressionen/Angst trotz Therapie nicht verschwinden

 

Kurz gesagt

ADHS ist eine andere Art, Informationen zu verarbeiten kein Charakterfehler und keine Faulheit.

Unterstützung, Struktur, passende Strategien und ggf. Medikation können das Leben enorm erleichtern.

Essstörungen

Essstörungen

Essstörungen sind schwere psychische Erkrankungen, keine Phase, kein Lifestyle und kein „sich-anstellen“. Sie drehen sich nicht nur ums Essen, sondern um Kontrolle, Selbstwert, emotionale Regulation und oft um tief liegende psychische Belastungen. Sie können jedes Alter, jedes Geschlecht und jede Körperform treffen.

Ursachen

Keine Essstörung entsteht „einfach so“. Typische Faktoren:

  • Psychische Belastungen (Trauma, Stress, Depression, Angst)
  • Perfektionismus, hoher Leistungsdruck
  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Genetik und biologische Faktoren
  • Gesellschaftlicher Druck durch Schönheitsideale
  • Belohnungs- und Kontrollmechanismen im Gehirn

 

Meist wirken mehrere dieser Faktoren zusammen.

Kernmerkmale

  • gestörtes Essverhalten
  • verzerrte Körperwahrnehmung
  • zwanghafte Gedanken rund um Gewicht, Kontrolle, Essen
  • stark beeinträchtigte Lebensqualität

Essstörungen sind ernst, können körperlich massiv schaden und unbehandelt lebensgefährlich werden.

 

Die wichtigsten Formen

1. Magersucht (Anorexia nervosa)

  • starke Angst vor Gewichtszunahme
  • extremes Kaloriendefizit
  • starkes Untergewicht oder massiver Gewichtsverlust
  • verzerrte Körperwahrnehmung („Ich bin zu dick“, trotz Untergewicht)
  • Perfektionismus, Leistungsdruck
    Risiko: Organversagen, Herzprobleme, höchste Sterberate aller psychischen Erkrankungen

 

2. Bulimie (Bulimia nervosa)

  • Essanfälle, gefolgt von kompensatorischem Verhalten
    (Erbrechen, exzessiver Sport, Abführmittel)
  • normalgewichtig oder schwankend
  • Scham, heimliches Essverhalten
  • starke emotionale Dysregulation
    Risiko: Elektrolytstörungen, Herzrhythmusprobleme, Zahnschäden

 

3. Binge-Eating-Störung (BES)

  • wiederholte Essanfälle ohne Erbrechen
  • Kontrollverlust beim Essen
  • Essen als Stressventil
  • Scham, Rückzug, häufig emotionale Belastung
    Risiko: Stoffwechselerkrankungen, Depressionen

4. Orthorexie

(nicht offiziell diagnostisch anerkannt, aber real)

  • zwanghafte Fixierung auf „perfektes, reines, gesundes Essen“
  • starke Angst vor „ungesunden“ Lebensmitteln
  • sozialer Rückzug, starker Druck
    Risiko: Mangelernährung, sozialer Ausschluss

 

5. ARFID (Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder)

  • Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel ohne Bezug zu Körperbild
  • Angst vor Konsistenz, Geschmack, Würgereiz oder negativen Erfahrungen
  • tritt häufig schon im Kindesalter auf
    Risiko: Unterversorgung, eingeschränkte Entwicklung

 

Auswirkungen

Essstörungen greifen überall ein:

  • Körperlich: Herz, Kreislauf, Hormone, Organe, Immunsystem
  • Psychisch: Angst, Depression, Isolation, Zwangsverhalten
  • Sozial: Rückzug, Konflikte, gestörtes Verhältnis zu Essen in der Familie
  • Emotional: Scham, Überforderung, Kontrollverlust

Essstörungen „verschwinden“ nicht von selbst sie brauchen Behandlung, Unterstützung und Zeit.

Für wen eine Abklärung wichtig ist

Wenn jemand:

  • zwanghaft über Essen, Kalorien oder Körper denkt
  • heimlich isst oder Mahlzeiten vermeidet
  • Essanfälle hat
  • extrem kontrolliert oder extrem chaotisch isst
  • körperliche Beschwerden vom Essverhalten bekommt
  • den Alltag nach Essen/Vermeidung plant
  • Schuldgefühle nach Essen hat

 

Dann sollte das ernst genommen werden, frühzeitig.

PTBS

PTBS 

PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) entsteht nach extremen belastenden Erlebnissen, die das Nervensystem überfordern. Das können Gewalt, Missbrauch, Unfälle, Krieg, Naturkatastrophen, schwere Verluste oder andere traumatische Ereignisse sein.

PTBS ist keine Schwäche und keine Überreaktion es ist eine körperliche und psychische Stressreaktion, die nach einem Trauma „stecken bleibt“.

 

Ursachen

PTBS entsteht, wenn ein Erlebnis so überwältigend ist, dass das Gehirn es nicht normal verarbeiten kann. Typische Auslöser:

  • körperliche oder sexuelle Gewalt
  • emotionaler oder psychischer Missbrauch
  • schwere Unfälle oder medizinische Notlagen
  • Krieg, Flucht, Bedrohungssituationen
  • plötzlicher Verlust naher Personen
  • Vernachlässigung und chronische Angst in der Kindheit

Je näher, unkontrollierbarer und bedrohlicher die Situation war, desto höher das Risiko.

 

Hauptsymptome

1. Wiedererleben (Intrusionen)

  • Flashbacks
  • Albträume
  • aufdrängende Erinnerungen
    Der Körper reagiert so, als würde das Trauma jetzt passieren.

 

2. Vermeidung

  • Situationen, Menschen, Orte oder Gefühle werden gemieden
  • Gespräche über das Trauma werden abgeblockt
  • Rückzug und Abschottung

 

3. Übererregung

  • ständige Wachsamkeit
  • Schreckhaftigkeit
  • Schlafstörungen
  • innere Unruhe
  • Reizbarkeit, Wutausbrüche

 

4. Negative Veränderungen im Denken & Fühlen

  • Schuldgefühle, Scham
  • negatives Selbstbild („Ich bin kaputt“, „Ich bin schuld“)
  • Misstrauen
  • emotionale Taubheit
  • Gefühl von Entfremdung oder Leere

 

Komplexe PTBS (C-PTBS)

Entsteht nach langanhaltenden oder wiederholten traumatischen Erfahrungen, besonders in der Kindheit.

Zusätzlich treten auf:

  • Identitätsprobleme
  • instabile Beziehungen
  • extreme emotionale Schwankungen
  • chronisches Misstrauen
  • Selbstverletzung oder destruktive Bewältigungsstrategien

 

 

C-PTBS ist keine „stärkere PTBS“, sondern eine eigene Form, die das gesamte Leben prägt.

Auswirkungen im Alltag

PTBS greift massiv ein:

  • Konzentration und Gedächtnis leiden
  • ständige Erschöpfung durch Dauerstress
  • Überforderung bei Alltagssituationen
  • sozialer Rückzug
  • körperliche Beschwerden (Schmerzen, Verdauung, Immunsystem)
  • erhöhte Gefahr für Depressionen, Angst, Suchtverhalten

Der Körper bleibt im Überlebensmodus, obwohl die Gefahr vorbei ist.

Behandlung

PTBS ist behandelbar. Die besten Ergebnisse entstehen durch:

  • Traumatherapie (z. B. EMDR, KVT, DBT, IFS, imaginative Verfahren)
  • Psychoedukation (Verstehen, was im Körper passiert)
  • Stabilisierungsarbeit
  • Bearbeitung der Erinnerung, wenn die Stabilität reicht
  • ggf. Medikation für Schlaf, Angst oder Depression

 

Heilung heißt nicht, dass alles verschwindet sondern dass das Trauma nicht mehr das Leben kontrolliert.

 

Wann Hilfe wichtig ist

  • wenn Erinnerungen unkontrollierbar auftreten
  • wenn Schlaf massiv gestört ist
  • wenn Gefühle „ausschalten“ oder „explodieren“
  • wenn Alltag kaum noch funktioniert
  • wenn Selbstverletzung oder Sucht als Bewältigung genutzt werden
  • wenn man sich dauerhaft bedroht fühlt

Frühe und gute Unterstützung verhindert, dass PTBS chronisch wird.

Schizophrenie

Schizophrenie

Schizophrenie ist eine schwere psychische Erkrankung, bei der Wahrnehmung, Denken, Gefühle und Realitätssinn gestört sein können. Es geht NICHT um „gespaltene Persönlichkeiten“. Das ist ein weitverbreitetes Missverständnis.

Schizophrenie betrifft ungefähr 1 % der Menschen und verläuft in Phasen: akute Episoden, stabile Zeiten und teilweise auch lange symptomfreie Abschnitte.

 

Ursachen

Die Entstehung ist komplex, aber gut erforscht:

  • Genetische Veranlagung (starker Einfluss)
  • Veränderungen im Gehirn, besonders im Dopamin- und Glutamatsystem
  • Stress, traumatische Erlebnisse, Überforderung
  • Substanzen wie Cannabis, Amphetamine oder andere Drogen können Episoden auslösen
  • Schlafmangel, Dauerstress und Isolation verstärken das Risiko

Es ist nie ein einzelner Grund immer eine Mischung aus biologischen und psychischen Faktoren.

 

Hauptsymptome

1. Positivsymptome

  • Halluzinationen (häufig Stimmenhören)
  • Wahnideen (Verfolgungswahn, Bedeutungswahn etc.)
  • Desorganisiertes Denken, verwirrte Sprache
  • Desorganisiertes Verhalten

 

Diese Symptome wirken für Außenstehende oft „fremd“ oder unlogisch.

 

2. Negativsymptome

  • Antriebslosigkeit
  • Gefühlsverflachung
  • Rückzug
  • kaum Initiative
  • eingeschränkte Mimik, monotone Sprache

Diese Phase wird oft mit Depression verwechselt, ist aber ein Kernsymptom der Erkrankung.

 

3. Kognitive Symptome

  • Konzentrationsprobleme
  • Schwierigkeiten, Informationen zu verarbeiten
  • Probleme mit Planung und Organisation

 

Diese Anteile beeinflussen den Alltag am stärksten.

Auswirkungen im Alltag

Schizophrenie kann massiv in das Leben eingreifen:

  • Verlust des Realitätsbezugs während Episoden
  • soziale Konflikte oder Rückzug
  • Überforderung durch Reizverarbeitung
  • Probleme in Arbeit/Alltag (Organisation, Stress)
  • höhere Anfälligkeit für Depressionen
  • Risiko von Selbstverletzung (vor allem bei schweren Wahninhalten)

Trotzdem: Viele Menschen mit Schizophrenie führen mit stabiler Behandlung ein völlig normales Leben.

Behandlung

Die Kombination bringt die besten Ergebnisse:

 

  • Medikamente (Antipsychotika) → reduzieren Positivsymptome
  • Therapie → Umgang mit Stress, Struktur, Realitätsüberprüfung
  • Psychoedukation, Familienunterstützung
  • Klare Tagesstruktur
  • Vermeidung von Drogen (extrem wichtig)

Frühe Behandlung erhöht die Chance auf stabile, lange symptomfreie Phasen.

Für wen eine Abklärung wichtig ist

Wenn jemand:

  • Stimmen hört, die nicht real sind
  • Gedanken hat, dass andere ihn überwachen, verfolgen oder beeinflussen
  • plötzlich stark verwirrt wirkt
  • Realitätsbezug verliert
  • sehr zurückgezogen, energielos oder ungewöhnlich wirkt
  • sich selbst oder andere gefährdet

Dann sollte schnell professionelle Hilfe eingeschaltet werden. Je früher, desto besser.

Depression

Depression

Depression ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, keine Traurigkeit, keine Phase, keine Schwäche. Sie verändert Stimmung, Denken, Körpergefühl und Verhalten.

Betroffene können nicht „einfach positiv denken“ oder „sich zusammenreißen“. Das Gehirn funktioniert in einer Depression schlicht anders.

Ursachen

Depression entsteht nie durch einen einzigen Grund. Es ist immer ein Zusammenspiel aus:

  • Biologie: veränderte Botenstoffe (v. a. Serotonin, Noradrenalin, Dopamin)
  • Genetik: familiäre Häufung
  • Psychische Belastungen: Verluste, Trauma, Dauerstress
  • Kindheitserfahrungen: Vernachlässigung, Missbrauch, unsichere Bindungen
  • Erkrankungen: chronische Schmerzen, hormonelle Störungen
  • Überforderung und Erschöpfung (Burnout kann in Depression kippen)

 

Depression ist also ein medizinischer Zustand, kein persönliches Versagen.

Hauptsymptome

1. Stimmung

  • tiefe, anhaltende Traurigkeit
  • Gefühl von innerer Leere
  • emotionale Taubheit

 

2. Gedanken

  • Grübeln, negative Gedankenspiralen
  • Hoffnungslosigkeit
  • Schuldgefühle, Selbstzweifel
  • extreme Selbstkritik
  • Konzentrationsstörungen

3. Körper

  • Schlafstörungen (Schlaflosigkeit oder extremes Schlafbedürfnis)
  • Erschöpfung, keine Energie
  • Appetitänderungen
  • Schmerzen ohne körperliche Ursache
  • verlangsamte Bewegung oder innere Unruhe

4. Verhalten

  • Rückzug
  • Verlust von Freude (Anhedonie)
  • geringe Belastbarkeit
  • Schwierigkeiten, alltägliche Dinge zu erledigen

Manche wirken von außen „funktional“, brechen aber innerlich zusammen sogenannte atypische oder maskierte Depression.

 

Auswirkungen im Alltag

Depression greift tief ins Leben ein:

  • Beziehungen leiden durch Rückzug und Überforderung
  • Arbeit/Schule werden kaum schaffbar
  • Selbstfürsorge bricht ein
  • Entscheidungen fallen schwer
  • alltägliche Aufgaben wirken wie ein Berg
  • erhöhte Gefahr für Sucht, Selbstverletzung, Suizidgedanken

Menschen mit Depression sind nicht faul oder unmotiviert. Sie kämpfen oft mehr, als Außenstehende sehen.

Formen der Depression

  • Major Depression (schwere depressive Episode)
  • Dysthymie / Chronische Depression (langanhaltende, abgeschwächte Form)
  • Postpartale Depression (nach Schwangerschaft/Geburt)
  • Bipolare Depression (Teil der bipolaren Störung)
  • Rezidivierende Depression (kommt immer wieder)

Alle Formen sind ernst und behandelbar.

 

Behandlung

Die wirksamste Kombination:

  • Psychotherapie (KVT, DBT, Tiefenpsychologie, ACT u. a.)
  • Medikamente (Antidepressiva, je nach Bedarf)
  • Struktur im Alltag
  • Bewegung und soziale Unterstützung
  • Behandlung möglicher körperlicher Ursachen

Viele Menschen erleben unter der richtigen Behandlung eine klare Verbesserung.

Wann man Hilfe braucht

  • wenn die Stimmung mehrere Wochen schlecht ist
  • wenn Alltag kaum noch bewältigbar ist
  • wenn Schlaf, Appetit, Energie stark verändert sind
  • wenn Selbsthass, Hoffnungslosigkeit oder Gedanken an Selbstverletzung auftreten
  • wenn man sich „nicht mehr wie man selbst“ fühlt

Depression ist behandelbar und es ist wichtig, sie ernst zu nehmen.

DIS Dissoziative Identitätsstörung

DIS 

Die Dissoziative Identitätsstörung ist eine komplexe Traumafolgestörung, die entsteht, wenn ein Kind über lange Zeit extremen Belastungen ausgesetzt ist meist schwerer Missbrauch, Gewalt, Vernachlässigung oder ständige Bedrohung.

Das kindliche Gehirn trennt Erlebnisse, Gefühle und Erinnerungen ab, um zu überleben. Dadurch entstehen verschiedene Anteile („Alter“) mit eigenen Wahrnehmungen, Emotionen und Erinnerungen.

 

DIS ist kein „Rollenspielen“ und keine Fantasie. Es ist ein Schutzmechanismus, der in der Kindheit nötig war.

Ursachen

DIS entsteht fast immer durch:

  • schwere und wiederholte Traumata in der frühen Kindheit
  • traumatisierende Bindungspersonen
  • fehlende sichere Bezugspersonen
  • extreme Angst und fehlende Fluchtmöglichkeiten
  • chronische Überforderung des Nervensystems

Das Gehirn schützt sich, indem es Erfahrungen trennt, die nicht aushaltbar waren.

Hauptsymptome

1. Dissoziation

  • Erinnerungslücken
  • Zeitverlust („Blackouts“)
  • das Gefühl, neben sich zu stehen
  • einzelne Situationen fühlen sich „nicht echt“ an

 

2. Verschiedene Anteile

  • unterschiedliche Emotionen, Vorlieben, Stimmen, Denkweisen
  • manche Anteile tragen Trauma, andere funktionieren im Alltag
  • innere Konflikte zwischen den Anteilen
  • Umschalten kann durch Stress, Trigger oder Überforderung ausgelöst werden

3. Amnesien

  • alltägliche Dinge werden nicht erinnert
  • Gespräche, Handlungen oder Wege fehlen im Gedächtnis
  • das Leben wirkt „stückig“

 

4. Triggerreaktionen

  • starke emotionale oder körperliche Reaktionen auf bestimmte Reize
  • Panik, Erstarren, Fluchtimpulse

 

5. Weitere Begleitsymptome

  • Depersonalisation / Derealisation
  • Schlafstörungen
  • Selbstverletzung (oft von Anteilen, die Belastung tragen)
  • Probleme mit Körperwahrnehmung

 

Auswirkungen im Alltag

DIS kann das Leben stark beeinflussen:

  • Arbeit, Termine und Organisation sind schwer zu halten
  • Beziehungen werden durch Trigger und Umschaltungen belastet
  • Alltag fühlt sich „zersplittert“ an
  • extreme emotionale Zustände wechseln schnell
  • Identität wirkt instabil oder widersprüchlich
  • chronische Erschöpfung

 

Trotzdem können viele Menschen mit DIS funktional, kreativ, hilfsbereit und belastbar sein. Die Systeme sind oft hochintelligent und anpassungsfähig.

Behandlung

Der wichtigste Punkt: DIS ist behandelbar, aber nicht Heilbar!

  • Traumatherapie (stufenweise: Stabilisierung → Verarbeitung → Integration/Kooperation)
  • Systemarbeit: Kommunikation zwischen Anteilen aufbauen
  • Triggerbearbeitung
  • Körperorientierte Verfahren (z. B. Somatic Experiencing)
  • Psychoedukation
  • ggf. Medikation für Begleitsymptome wie Depression, Angst oder Schlafprobleme

 

Ziel ist nicht „alles zusammenkleben“, sondern Sicherheit, Stabilität und innere Zusammenarbeit.

Für wen eine Abklärung wichtig ist

  • wenn große Erinnerungslücken bestehen
  • wenn man das Gefühl hat, „andere übernehmen“
  • wenn Verhalten oder Emotionen plötzlich wechseln
  • wenn man sich selbst nicht „durchgehend“ erlebt
  • wenn schwere Kindheitstraumata vorliegen
  • wenn Therapie bisher kaum geholfen hat, weil Teile des Systems „abwechseln“

 

Zwangsstörungen

Zwangsstörungen 

Zwangsstörungen (OCD Obsessive Compulsive Disorder) sind ernsthafte psychische Erkrankungen, bei denen Betroffene unter wiederkehrenden Gedanken (Zwängen) und dringendem Handlungsdruck (Ritualen / Handlungen) leiden.

Es geht nicht um „Ordnungsliebe“ oder „etwas pedantisch sein“ es handelt sich um erzwungene, belastende Gedanken und Handlungen, die Alltag und Lebensqualität massiv beeinträchtigen können.

Ursachen

  • Biologische Faktoren: Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe (v. a. Serotonin), Unterschiede in Gehirnregionen für Kontrolle und Belohnung
  • Genetik: familiäre Häufung möglich
  • Traumatische oder belastende Erfahrungen: können Auslöser oder Verstärker sein
  • Psychologische Faktoren: Perfektionismus, hohe Selbstansprüche, strikte Kontrollbedürfnisse

 

Meist wirken mehrere Faktoren zusammen es ist nie nur „Kopfsache“.

 

Hauptsymptome

1. Zwangsgedanken (Obsesssionen)

  • aufdringliche, wiederkehrende Gedanken oder Bilder
  • häufig Ängste (Verschmutzung, Gefahr, Kontrolle, Aggression, Moral)
  • führen zu starkem Stress oder Unruhe

2. Zwangshandlungen (Kompulsionen)

  • Rituale, die wiederholt werden, um Angst zu reduzieren
  • Beispiele: Händewaschen, Kontrollieren, Zählen, Ordnen, Wiederholen
  • die Handlungen wirken irrational, aber Betroffene fühlen sich gezwungen, sie auszuführen

 

3. Vermeidungsverhalten

  • Situationen, Menschen oder Orte werden gemieden, um Zwangsgedanken zu verhindern

Auswirkungen im Alltag

  • enormer Zeitverlust durch Rituale
  • starke Belastung, Angst und Erschöpfung
  • soziale Einschränkungen (Vermeidung von Öffentlichkeit oder Kontakten)
  • Beeinträchtigung von Arbeit, Schule, Studium, Haushalt
  • psychische Folgeprobleme: Depression, Angststörungen, Isolation

Zwangsstörungen wirken wie ein ständiger innerer Druck, der kaum abschaltbar ist.

Behandlung

  • Kognitive Verhaltenstherapie (Konfrontation & Reaktionsverhinderung / ERP) → Goldstandard
  • Medikamente (SSRI) bei mittleren bis schweren Symptomen
  • Psychoedukation und Selbsthilfestrategien
  • Unterstützung durch Umfeld, damit Betroffene nicht „verstärkt werden“

Mit professioneller Hilfe kann ein normaler Alltag wieder möglich werden.

 

Für wen eine Abklärung wichtig ist

  • Wenn wiederkehrende Gedanken sehr belastend sind
  • Wenn man Rituale ausführt, um Angst zu reduzieren
  • Wenn Alltagsfunktionen stark eingeschränkt sind
  • Wenn man merkt, dass Verhalten zwanghaft ist, aber man sich nicht dagegen wehren kann

 

Angst und Panikstörung

Angst und Panikstörungen 

Angststörungen sind ernsthafte psychische Erkrankungen, bei denen Angst übermäßig, andauernd oder unkontrollierbar auftritt.

Panikstörungen sind eine Form davon, bei der plötzliche, heftige Angstanfälle ohne klaren äußeren Auslöser auftreten.

Es handelt sich nicht um „übertriebene Sorgen“ oder „Schwäche“, sondern um fehlgesteuerte Reaktionen des Nervensystems.

 

Ursachen

  • Biologische Faktoren: Ungleichgewicht von Botenstoffen (z. B. Serotonin, GABA)
  • Genetische Veranlagung: Angststörungen treten familiär gehäuft auf
  • Frühere traumatische Erfahrungen oder chronischer Stress
  • Lernerfahrungen: Übermäßige Schutzmaßnahmen oder negative Erfahrungen können Ängste verstärken
  • Fehlinterpretation körperlicher Signale: z. B. Herzrasen wird als lebensbedrohlich wahrgenommen

 

Typische Symptome

1. Generalisierte Angststörung (GAS)

  • dauerhafte, übermäßige Sorgen über Alltag, Arbeit, Gesundheit
  • Anspannung, Unruhe, Schlafprobleme
  • körperliche Symptome: Muskelverspannungen, Magen-Darm-Probleme, Herzrasen

2. Panikstörung

  • plötzliche, intensive Angstattacken („Panikattacken“)
  • Herzrasen, Schwindel, Atemnot, Engegefühl in der Brust
  • Gefühl von Kontrollverlust oder drohendem Unheil
  • Angst vor nächsten Attacken → Vermeidung bestimmter Situationen

3. Spezifische Phobien

  • intensive Angst vor klar definierten Dingen oder Situationen (z. B. Tiere, Höhe, Spritzen)
  • Vermeidungsverhalten prägt Alltag stark

 

4. Soziale Angststörung

  • Angst vor Bewertung oder Beobachtung
  • Rückzug, Vermeidung sozialer Kontakte
  • körperliche Symptome wie Erröten, Zittern, Schwitzen

 

Auswirkungen im Alltag

  • Einschränkungen in Schule, Beruf, sozialen Kontakten
  • Vermeidungsverhalten → eingeschränkte Lebensqualität
  • körperliche Belastung durch dauerhafte Anspannung
  • Folgeprobleme: Depression, Sucht, Panikattacken, Schlafstörungen

Angst- und Panikstörungen sind echte Erkrankungen, nicht „Einbildung“.

Behandlung

  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) → Exposition und Neubewertung
  • Medikamente (z. B. SSRI, Benzodiazepine kurzzeitig)
  • Atem- und Entspannungstechniken, Körperarbeit
  • Psychoedukation und Aufbau von Sicherheit
  • Langfristige Strategien: Konfrontation, Stabilisierung, Umgang mit Triggern

Mit professioneller Unterstützung können Symptome stark reduziert und ein normales Leben möglich werden.

Wann Abklärung sinnvoll ist

  • Wenn Angst oder Panik das Leben stark einschränkt
  • Wenn körperliche Symptome ohne medizinische Ursache auftreten
  • Wenn Vermeidung oder Rückzug den Alltag bestimmen
  • Wenn Schlafstörungen, Erschöpfung oder depressive Verstimmungen bestehen

 

Burnout

Burnout 

Burnout ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein körperlich-psychischer Erschöpfungszustand nach länger andauernder Überlastung.

Betroffene sind häufig chronisch gestresst, emotional ausgelaugt und fühlen sich mental blockiert. Burnout ist keine offizielle Krankheit, wird aber medizinisch als Stressfolgestörung oder Erschöpfungssyndrom anerkannt.

 

Ursachen

  • Dauerstress im Job, in Familie oder Pflege
  • Hoher Leistungsdruck, Perfektionismus
  • Unklare Rollen oder fehlende Wertschätzung
  • Mangel an Erholung, Schlafdefizit
  • Persönliche Faktoren: geringe Abgrenzung, hohe Empathie, Überverantwortung

Burnout entsteht durch das Zusammentreffen von hoher Belastung und fehlender Regeneration nicht durch persönliche Schwäche.

 

Hauptsymptome

1. Emotionale Erschöpfung

  • ständige Müdigkeit, inneres Ausgebranntsein
  • Verlust von Motivation und Freude
  • Gereiztheit, Frustration

 

2. Körperliche Symptome

  • Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen
  • Herzrasen, Verdauungsprobleme
  • häufige Infekte durch Immunschwäche

 

3. Kognitive Beeinträchtigungen

  • Konzentrations und Gedächtnisprobleme
  • Entscheidungsunsicherheit
  • Gefühl von Überforderung

 

4. Soziale Auswirkungen

  • Rückzug von Kollegen, Freunden, Familie
  • Konflikte aufgrund Gereiztheit oder Erschöpfung

 

5. Selbstwert und Motivation

  • Zweifel an der eigenen Leistung
  • Gefühl, nichts mehr bewältigen zu können
  • Sinnverlust bei Arbeit oder Alltag

 

Auswirkungen im Alltag

  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • erhöhte Fehleranfälligkeit
  • soziale Isolation
  • langfristig Risiko für Depression, Angststörungen oder körperliche Erkrankungen

Burnout betrifft nicht nur den Beruf, sondern das gesamte Leben.

Behandlung

  • Erholung und Entlastung → Auszeiten, Schlaf, Pausen
  • Stressmanagement & Selbstfürsorge → Grenzen setzen, Prioritäten klären
  • Therapie → Psychotherapie (z. B. CBT, Achtsamkeit, Entspannungsverfahren)
  • Unterstützung im Umfeld → Familie, Freunde, Arbeitgeber
  • Langfristige Strategien → Struktur, realistische Ziele, mentale Resilienz

Frühzeitiges Handeln verhindert, dass Burnout chronisch wird.

 

Wann Hilfe wichtig ist

  • wenn ständige Erschöpfung trotz Pausen besteht
  • wenn Arbeit, Alltag oder Beziehungen stark leiden
  • wenn Schlaf, Gesundheit oder Motivation massiv beeinträchtigt sind
  • wenn das Gefühl von Sinnlosigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Überforderung dauerhaft bleibt