Psychische Probleme

sind vielseitig und können in unterschiedlichen Stärken auftreten.

Sie reichen von leichten Symptomen, die vorübergehend sind, bis hin zu schweren Erkrankungen,

die intensive Behandlung erfordern.

 

Die Behandlung sollte individuell angepasst sein,

um die bestmögliche Unterstützung zu bieten und Stigmatisierung zu vermeiden.

Gefühlsstürme bei Borderline

Gefühlsstürme bei Borderline

Gefühlsstürme, auch emotionale Dysregulation, sind ein Kernmerkmal der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS).

Betroffene erleben Emotionen intensiver, schneller und länger als andere Menschen.

Das bedeutet: Gefühle kommen oft plötzlich, überwältigend und schwer kontrollierbar.

Ursachen

  • Biologische Faktoren: Überempfindliches Nervensystem, Störungen in der Emotionsregulation
  • Genetik: Familiäre Häufung emotionaler Instabilität
  • Frühkindliche Erfahrungen: Trauma, Vernachlässigung oder instabile Bindungen
  • Stress und Trigger: Aktuelle Konflikte oder Erinnerungen an belastende Situationen

Gefühlsstürme sind keine Manipulation, sondern eine neurobiologische Reaktion.

 

 

Typische Merkmale

  • extreme Wut oder Frustration
  • tiefe Traurigkeit, Angst oder Verzweiflung
  • schnelle Stimmungsschwankungen innerhalb von Minuten oder Stunden
  • Überforderung durch eigene Emotionen
  • Impulsives Verhalten als Reaktion auf die Gefühle (z. B. Streit, Selbstverletzung, Rückzug)
  • das Gefühl, „die Kontrolle zu verlieren“

 

Auswirkungen im Alltag

  • Konflikte in Beziehungen, Familie oder Beruf
  • Rückzug oder Isolation nach heftigen Gefühlen
  • Erschöpfung durch ständige emotionale Überlastung
  • Selbstwertprobleme und Schuldgefühle
  • Risiko für Selbstverletzungen oder suizidale Gedanken

Gefühlsstürme prägen den Alltag stark, auch wenn Betroffene sonst funktional erscheinen.

 

 

Bewältigung und Behandlung

  • Therapie → Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), Skills zur Emotionsregulation
  • Achtsamkeit → Gefühle wahrnehmen ohne impulsiv zu reagieren
  • Stabilisierung → Struktur, Routinen, Selbstfürsorge
  • Soziale Unterstützung → vertrauenswürdige Bezugspersonen
  • Skilltraining → Techniken wie STOPP, Distanzieren, Atmen, Grounding

Mit gezieltem Training lernen Betroffene, Gefühle zu regulieren, ohne sie zu unterdrücken oder destruktiv auszuleben.

Wichtig

Gefühlsstürme bei Borderline sind nicht „übertrieben“ oder „böse“, sondern Teil der Erkrankung.

Verständnis, Skills und Therapie können helfen, Intensität und Dauer zu reduzieren und den Alltag wieder stabiler zu gestalten.

Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Pseudohalluzinationen

Wahnvorstellungen

Wahnvorstellungen sind feste Überzeugungen, die nicht der Realität entsprechen, aber für die betroffene Person absolut wahr wirken. Sie lassen sich von außen nicht mit Logik oder Fakten korrigieren.

Typische Formen sind:

  • Verfolgungswahn (man wird beobachtet, verfolgt)
  • Beziehungswahn (alltägliche Ereignisse haben „versteckte Botschaften“)
  • Größenwahn (besondere Macht, Fähigkeiten, Bedeutung)
  • Eifersuchtswahn, Hypochondrischer Wahn usw.

Wahn entsteht häufig bei Schizophrenie, schweren Depressionen, bipolaren Episoden, Traumafolgestörungen oder Intoxikationen.

 

Halluzinationen 

Halluzinationen sind Sinneswahrnehmungen ohne realen Reiz. Die Wahrnehmung wirkt echt, als würde sie „von außen“ kommen.

Sie können jeden Sinn betreffen:

  • Akustisch: Stimmen hören, Geräusche
  • Visuell: Personen, Schatten, Muster sehen
  • Taktil: Kribbeln, Berührungen, „Insekten unter der Haut“
  • Olfaktorisch/Gustatorisch: Gerüche oder Geschmäcker, die nicht da sind

Halluzinationen treten vor allem bei Schizophrenie, schweren Depressionen, Manien, PTBS-Flashbacks, dissoziativen Zuständen oder Substanzen auf.

Pseudohalluzinationen, der Unterschied

Der Unterschied ist entscheidend:

Bei Pseudohalluzinationen weiß die Person innerlich, dass die Wahrnehmung nicht real ist.

Beispiele:

  • Man hört eine Stimme „im Kopf“, weiß aber: Das ist meine Erkrankung, nicht echt.
  • Man sieht Bilder oder Szenen, erkennt aber, dass sie aus dem Inneren kommen.

 

Pseudohalluzinationen sind typisch bei starker Übermüdung, Trauma, Dissoziation, Borderline-Krisen, schweren Angstzuständen oder als Nebenwirkung von Medikamenten.

 

Wie sich das im Alltag zeigt

  • Konzentrationsprobleme
  • Rückzug und soziale Unsicherheit
  • Schlafstörungen
  • Überforderung durch innere oder äußere Reize
  • Angst, Verwirrung oder Realitätszweifel
  • Schwierigkeiten, zwischen real und innerlich erzeugten Impulsen zu unterscheiden

Diese Symptome können massiv belasten, sind aber ein Ausdruck der jeweiligen psychischen Erkrankung, nicht persönliches Versagen.

 

Warum das passiert

Hinter solchen Wahrnehmungsstörungen stehen oft:

  • neurobiologische Veränderungen
  • extreme Stressbelastungen
  • Trauma
  • schwere Depressionen oder manische Zustände
  • Schlafentzug
  • Substanzen oder Medikamente

Das Gehirn verarbeitet Reize dann verzerrt oder erzeugt eigene Wahrnehmungen.

 

 

Wann Hilfe nötig ist

  • wenn Wahrnehmungen Angst machen
  • wenn sie das Verhalten stark beeinflussen
  • wenn Realitätsbezug verloren geht
  • wenn Wahnideen zu Konflikten, Rückzug oder Impulsivität führen

 

Professionelle Unterstützung stabilisiert und schützt.

Gedächtnis und Konzentrationsschwierigkeiten

Gedächtnis und Konzentrationsschwierigkeiten

Probleme mit Aufmerksamkeit, Konzentration oder Erinnerung sind häufige Begleiterscheinungen psychischer Erkrankungen. Sie betreffen alltägliche Aufgaben, Arbeit, Schule und soziales Leben. Es handelt sich nicht um „Faulheit“ oder mangelnde Motivation, sondern um direkte Auswirkungen der Erkrankung auf das Gehirn.

Ursachen

Psychische Faktoren

  • Depression: verlangsamtes Denken, Grübeln, Energiemangel
  • Angststörungen / Panik: innere Unruhe, ständige Anspannung
  • PTBS / Traumafolgestörungen: Ablenkung durch Flashbacks oder Erinnerungen
  • Burnout / chronischer Stress: Überlastung des Nervensystems

Medikamente

  • Viele Antidepressiva, Antipsychotika oder Beruhigungsmittel können Konzentration und Gedächtnis beeinflussen

Biologische Faktoren

  • Schlafstörungen, Hormonungleichgewicht, Nährstoffmangel
  • Chronische Erkrankungen oder Schmerzen

Typische Symptome

  • Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder aufmerksam zu bleiben
  • Vergesslichkeit, Termine oder Aufgaben werden vergessen
  • langsames Denken oder häufiges „Abdriften“
  • Probleme beim Planen oder Priorisieren
  • Ermüdung nach kurzer geistiger Anstrengung

Auswirkungen im Alltag

  • Arbeit, Schule oder Studium werden erschwert
  • Alltägliche Organisation fällt schwer
  • Sozialer Rückzug, Frust oder Schuldgefühle
  • Verstärkung von Stress, Angst oder Depression
  • Gefühl von Überforderung und Kontrollverlust

Was helfen kann

  • Struktur und Planung: Listen, Kalender, feste Routinen
  • Schlaf & Erholung: ausreichend Schlaf und Pausen
  • Therapie: CBT, Achtsamkeit, Skills zur Stress- und Emotionsregulation
  • Bewegung & Ernährung: fördern Durchblutung und Konzentration
  • Reduzierung von Multitasking: einzelne Aufgaben gezielt bearbeiten

Wann Hilfe nötig ist

  • wenn Gedächtnis oder Konzentrationsprobleme dauerhaft bestehen
  • wenn Alltag, Arbeit oder Beziehungen stark leiden
  • wenn sie begleitet sind von Stress, Angst oder Depression
  • wenn Medikamente oder Schlafprobleme beteiligt sein könnten

 

Konzentrations und Gedächtnisprobleme sind ein Symptom der Erkrankung, keine persönliche Schwäche, und lassen sich oft deutlich verbessern.

Libidoverlust

Libidoverlust 

Libidoverlust bedeutet eine verminderte oder fehlende sexuelle Lust. Es ist ein häufiges Symptom bei psychischen Erkrankungen und kann den Alltag, Beziehungen und Selbstwertgefühl stark belasten.

Ursachen

Psychische Faktoren

  • Depression: Müdigkeit, Antriebslosigkeit, negative Gedanken
  • Angststörungen: Sorgen, Anspannung und Nervosität reduzieren sexuelles Verlangen
  • Borderline / Traumafolgestörungen: intensive Gefühle, Scham oder Flashbacks hemmen Sexualität
  • Stress und Burnout: dauerhafte Erschöpfung

Medikamente

  • Viele Antidepressiva (z. B. SSRI)
  • Medikamente gegen Angst, Psychosen oder Schlafstörungen
  • Bluthochdruck- oder Schmerzmittel

Biologische Faktoren

  • Hormonelle Veränderungen (Testosteron, Östrogen, Progesteron)
  • Chronische Erkrankungen oder Schlafmangel

Wie es sich zeigt

  • fehlendes Interesse an Sex oder Nähe
  • verminderte Erregbarkeit oder Orgasmusfähigkeit
  • emotionale Distanz zu Partner*innen
  • Schuld oder Schamgefühle

Libidoverlust kann zu Frustration, Beziehungskonflikten und Selbstzweifeln führen.

Auswirkungen im Alltag

  • Rückzug aus Partnerschaften oder Intimität
  • Verstärkte psychische Belastung durch Scham oder Schuldgefühle
  • Verschlechterung der Beziehung und emotionaler Nähe
  • Verstärkung von Depression, Angst oder Stress

Was helfen kann

  • Therapie: psychotherapeutische Bearbeitung von Depression, Trauma oder Angst
  • Medikationsanpassung: Absprache mit Arzt über Nebenwirkungen
  • Hormonstatus prüfen, falls relevant
  • Offene Kommunikation mit Partner*innen
  • Stressreduktion & Selbstfürsorge: Schlaf, Ernährung, Bewegung, Entspannung

Libidoverlust ist ein Symptom, keine Charakterfrage. Mit professioneller Unterstützung lässt er sich oft verbessern.

Schlafstörungen

Schlafstörungen

Schlafstörungen bedeuten, dass Ein oder Durchschlafen, Schlafqualität oder Schlafrhythmus beeinträchtigt sind. Sie sind häufig ein Symptom oder Begleiterscheinung von psychischen Erkrankungen wie Depression, Angststörungen, PTBS, Burnout oder Bipolarer Störung.

Ursachen

Psychische Faktoren

  • Depression: frühes Aufwachen, Einschlafprobleme, unruhiger Schlaf
  • Angst / Panikstörungen: Sorgen, Grübeln, nächtliche Panikattacken
  • PTBS / Trauma: Flashbacks, Albträume, Hypervigilanz
  • Stress / Burnout: Erhöhte Anspannung, Körper bleibt im „Alarmmodus“

Medikamente

  • Antidepressiva, Stimulanzien, Kortison oder andere Medikamente können Schlaf stören

Biologische Faktoren

  • Hormonelle Schwankungen (Cortisol, Melatonin)
  • Chronische Schmerzen oder körperliche Erkrankungen

 

Typische Symptome

  • Einschlafprobleme
  • Durchschlafprobleme, häufiges Aufwachen
  • Frühes Aufwachen ohne erholsamen Schlaf
  • Albträume oder unruhiger Traum
  • Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit

Auswirkungen im Alltag

  • Verminderte Leistungsfähigkeit
  • Erhöhte emotionale Belastung
  • Verstärkung von Depression, Angst oder Burnout
  • Probleme in Beziehungen, Arbeit oder Schule
  • Erhöhtes Risiko für körperliche Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Probleme

Was helfen kann

  • Schlafhygiene: feste Schlafenszeiten, dunkler, ruhiger Raum, Bildschirmreduktion
  • Entspannungstechniken: Atemübungen, Meditation, progressive Muskelentspannung
  • Therapie: CBT-I (kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie), Stressbewältigung
  • Medikamentöse Unterstützung nur nach ärztlicher Abklärung
  • Regelmäßige Bewegung und Tageslicht nutzen

Wann Hilfe nötig ist

  • wenn Schlafprobleme länger als 2–3 Wochen bestehen
  • wenn Tagesleistung, Stimmung oder Beziehungen stark leiden
  • bei wiederkehrenden Albträumen oder Flashbacks
  • bei Gefahr von körperlichen Folgeproblemen

 

Schlafstörungen sind ein Symptom, keine persönliche Schwäche, und lassen sich mit gezielter Unterstützung deutlich verbessern.

Derealisation und Dissoziation

Derealisation und Dissoziation 

Derealisation bezeichnet das Gefühl, dass die Umgebung unwirklich, fremd oder verzerrt erscheint. Alles wirkt „wie in einem Film“ oder „getrennt von einem Schleier“.

Dissoziation ist ein weiter gefasster Begriff für mentale Abspaltung von Gefühlen, Gedanken oder Erinnerungen. Betroffene können sich von sich selbst oder der Realität getrennt fühlen.

 

Beides sind Schutzmechanismen des Gehirns, die oft in Situationen starker Überforderung oder nach Traumata auftreten.

Ursachen

  • Traumatische Erfahrungen: Missbrauch, Gewalt, Unfälle, Krieg
  • PTBS / komplexe Traumafolgestörungen
  • Starke Angst oder Panik
  • Schwere psychische Erkrankungen: Borderline, DIS, Schizophrenie
  • Schlafmangel, Stress oder Drogenkonsum

Typische Symptome

Derealisation

  • Umgebung wirkt „fremd“ oder „unecht“
  • Zeit oder Raum erscheinen verzerrt
  • Geräusche, Farben oder Formen wirken verändert

Dissoziation

  • Gefühl, vom eigenen Körper oder Selbst getrennt zu sein
  • Erinnerungen fehlen („Blackouts“)
  • innere Stimmen oder Anteile übernehmen zeitweise
  • Gefühl der Fremdheit gegenüber eigenen Handlungen

Beide Phänomene können plötzlich auftreten, oft in stressigen Situationen.

 

Auswirkungen im Alltag

  • Konzentrations und Gedächtnisprobleme
  • Probleme im sozialen Umgang, Rückzug
  • Unsicherheit oder Angst, den Realitätsbezug zu verlieren
  • Überforderung im Beruf oder Alltag
  • Risiko für Unfälle oder Fehlentscheidungen

 

Behandlung und Strategien

  • Traumatherapie: Bearbeitung traumatischer Erfahrungen
  • Stabilisierungs- und Achtsamkeitstechniken: Grounding, Atemübungen, Bodyscan
  • Skills zur Emotionsregulation (z. B. DBT)
  • Medikamentöse Behandlung nur bei Begleitstörungen wie Depression oder Angst
  • Aufklärung & Psychoedukation: Verständnis, dass es ein Schutzmechanismus ist

Mit gezieltem Training lassen sich Häufigkeit, Intensität und Belastung reduzieren, sodass Alltag und Beziehungen wieder stabiler werden.

Panikattacke

Panikattacke

Eine Panikattacke ist ein plötzlicher, intensiver Angstzustand, der ohne klaren äußeren Auslöser auftritt.

Betroffene erleben körperliche und psychische Symptome, die oft wie eine akute Bedrohung oder Gefahr wirken, obwohl objektiv keine besteht.

 

Panikattacken sind ein Symptom, keine Charakterschwäche, und können bei Panikstörung, Angststörungen, Depressionen oder Trauma auftreten.

Ursachen

  • Übererregtes Nervensystem: schnelle Stressreaktionen
  • Biologische Faktoren: veränderte Botenstoffe im Gehirn
  • Psychische Belastungen: Stress, Trauma, chronische Angst
  • Genetische Veranlagung: familiäre Häufung von Angststörungen
  • Trigger: bestimmte Situationen, Erinnerungen oder körperliche Signale (Herzrasen, Kurzatmigkeit)

Typische Symptome

  • Herzrasen, Herzklopfen
  • Atemnot, Engegefühl in der Brust
  • Schwindel, Benommenheit, Zittern
  • Hitzewallungen oder Kälteschauer
  • Übelkeit, Bauchbeschwerden
  • Angst vor Kontrollverlust oder Sterben
  • Gefühl von Unwirklichkeit (Derealisation / Depersonalisation)

Symptome treten plötzlich auf, erreichen oft innerhalb von Minuten ihren Höhepunkt und klingen danach wieder ab.

 

Auswirkungen im Alltag

  • Angst vor der nächsten Attacke → Vermeidung bestimmter Situationen
  • Einschränkungen im Beruf, Schule oder Freizeit
  • Soziale Isolation
  • Verstärkung von chronischer Angst, Depression oder Stress
  • Körperliche Erschöpfung durch wiederholte Attacken

 

Behandlung und Bewältigung

  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT): Konfrontation, Neubewertung, Angstmanagement
  • Medikamente: z. B. SSRI oder kurzzeitig Benzodiazepine, wenn nötig
  • Atem- und Entspannungstechniken: bewusstes Atmen, Grounding, progressive Muskelentspannung
  • Psychoedukation: verstehen, dass Panikattacken ungefährlich sind
  • Alltagsstrategien: regelmäßige Bewegung, Schlaf, Stressreduktion

 

Mit professioneller Unterstützung lernen Betroffene, Panikattacken zu erkennen, zu kontrollieren und die Lebensqualität zurückzugewinnen.

Innere Unruhe

Innere Unruhe bei psychischen Erkrankungen

Innere Unruhe ist ein ständiges Gefühl von Anspannung, Getriebenheit oder Nervosität, das sich oft nicht bewusst steuern lässt. Sie tritt bei vielen psychischen Erkrankungen auf und kann den Alltag massiv belasten.

Ursachen

  • Angststörungen: ständige Alarmbereitschaft, Übererregung des Nervensystems
  • Depressionen: innere Anspannung, Reizbarkeit, Schlafprobleme
  • PTBS: erhöhte Wachsamkeit, schnelle Schreckreaktionen
  • Borderline & emotionale Instabilität: schnelle Gefühlswechsel, Überforderung
  • Bipolare Störungen: Unruhe in depressiven und manischen Phasen
  • Zwangsstörungen: Druck durch intrusive Gedanken
  • ADHS: motorische und gedankliche Überaktivität
  • Schizophrenie / Psychose: innere Spannung, Reizüberflutung
  • Medikamente: Nebenwirkungen, besonders bei Antidepressiva oder Neuroleptika
  • Stress & Überlastung: dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel

Die Ursache ist selten nur „ein“ Faktor meistens wirken mehrere Dinge zusammen.

Typische Symptome

  • Nervosität, Gedankenkreisen, ständige innere Anspannung
  • Ruhelosigkeit, Zappeligkeit oder Bewegungsdrang
  • Konzentrationsprobleme
  • Gereiztheit, niedrige Reizschwelle
  • Schlafstörungen
  • Druckgefühl im Körper, Herzrasen oder flache Atmung

Auswirkungen im Alltag

  • Überforderung, schnelle Erschöpfung
  • Mitmenschen werden als „zu viel“ erlebt
  • Entscheidungen fallen schwer
  • Rückzug oder Reizbarkeit in sozialen Situationen
  • Probleme bei Arbeit, Studium oder Haushalt
  • stark eingeschränkte Lebensqualität

Was hilft

  • Therapie: Ursachen klären, Strategien entwickeln
  • Atem- und Entspannungstechniken: Nervensystem beruhigen
  • Reizreduktion: weniger Lärm, weniger Stress, klare Strukturen
  • Bewegung: baut überschüssige Spannung ab
  • Medikamentöse Unterstützung (ärztlich): bei starken Symptomen
  • Achtsamkeit und Selbstregulation: Körperwahrnehmung verbessern

Innere Unruhe ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Symptom. Mit der richtigen Behandlung lässt sie sich deutlich reduzieren.

Anhaltende Leere

Anhaltende innere Leere, was dahintersteckt

Anhaltende Leere fühlt sich an, als wäre innen alles abgestumpft, hohl oder emotional abgeschaltet. Betroffene spüren wenig Freude, wenig Trauer, oft „gar nichts“. Dieses Gefühl ist real und kann sehr belastend sein.

Innere Leere ist kein Charakterfehler, sondern ein Symptom, das bei mehreren psychischen Erkrankungen auftreten kann.

Ursachen

  • Borderline-Störung: typische Folge von Identitätsproblemen und emotionaler Instabilität
  • Depressionen: Verlust von Gefühlen, Interessen und Antrieb
  • PTBS / Traumafolgestörungen: emotionale Abspaltung als Schutzmechanismus
  • Dissoziative Störungen: Abtrennung von Gefühlen, um Überforderung zu vermeiden
  • ADHS: emotionale Unterstimulation, ständige Suche nach „innerem Kick“
  • Bipolare Störung: Leere in depressiven Phasen oder nach intensiven Emotionen
  • Erschöpfung / Burnout: völlige emotionale Überlastung

Oft hängt innere Leere mit Überforderung, chronischem Stress oder unverarbeiteten Gefühlen zusammen.

Typische Symptome

  • Gefühl, „innerlich tot“ oder taub zu sein
  • fehlende Freude, Motivation oder Verbindung zu anderen
  • starke Einsamkeit, selbst unter Menschen
  • emotionale Distanz und Rückzug
  • impulsive Versuche, irgendetwas zu fühlen (z. B. Selbstverletzung, riskantes Verhalten, Reizsuche)
  • Sinnlosigkeitsgefühle

Auswirkungen im Alltag

  • Probleme, Beziehungen zu spüren oder Nähe zuzulassen
  • Verlust von Interessen
  • Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
  • Gefühl, sich selbst nicht zu kennen oder „leer zu laufen“
  • Erschöpfung, Rückzug, depressive Verstimmung

Innere Leere kann sehr quälend sein und wird von außen oft missverstanden.

Was helfen kann

  • Therapie: Emotionen wieder wahrnehmen lernen, Ursachen verstehen
  • Achtsamkeit und Körperwahrnehmung: Kontakt zu eigenen Gefühlen aufbauen
  • Stabilisierung bei Traumafolgestörungen und DIS
  • Struktur und Alltagstätigkeiten: Halt und Orientierung
  • Soziale Unterstützung: Menschen, die Sicherheit geben
  • Aktivierung: kleine Schritte, um wieder etwas zu spüren (Bewegung, Natur, kreative Aktivitäten)

 

Wichtig: Anhaltende Leere ist ein Symptom, keine persönliche Schwäche. Mit der richtigen Unterstützung kann sich das Gefühl deutlich verändern.

Bindungsstörung

Was eine Bindungsstörung ist

Eine Bindungsstörung bedeutet, dass ein Mensch große Schwierigkeiten hat, emotionale Nähe aufzubauen, Vertrauen zu entwickeln oder stabile Beziehungen zu halten. Es ist kein „schlechtes Verhalten“, sondern eine Folge früher Erfahrungen oder traumatischer Belastungen.

 

Menschen mit einer Bindungsstörung wollen oft Nähe gleichzeitig macht genau diese Nähe Angst.

Ursachen

Die Ursachen liegen fast immer früh im Leben:

  • Unsichere oder wechselhafte Bezugspersonen
  • Vernachlässigung oder fehlende emotionale Zuwendung
  • Missbrauch oder Gewalt
  • Frühe Trennungen von wichtigen Bezugspersonen
  • Krankenhausaufenthalte ohne stabile Bezugspersonen
  • Chaotische, unberechenbare Familienverhältnisse
  • Eltern mit psychischen Erkrankungen oder Abhängigkeiten

 

Das Nervensystem lernt früh, wie „Sicherheit“ und „Nähe“ funktionieren. Wenn das in der Kindheit instabil war, spürt man das im Erwachsenenalter deutlich.

 

Typische Symptome

Je nach Form zeigen sich unterschiedliche Muster:

1. vermeidende Muster

  • Angst vor Nähe
  • starke Unabhängigkeit, Rückzug
  • Gefühle werden eher unterdrückt
  • Probleme, anderen zu vertrauen

2. ambivalente Muster

  • Nähe wird gesucht, aber gleichzeitig gefürchtet
  • starke Verlustangst
  • emotionale Schwankungen in Beziehungen
  • starkes Klammern oder schnelles Zurückziehen

 

3. desorganisierte Muster

  • Nähe löst Angst und Überforderung aus
  • impulsives Verhalten
  • instabile Beziehungen
  • oft Vorgeschichte von Trauma oder Vernachlässigung

 

 

Auswirkungen im Alltag

  • Schwierigkeiten, gesunde Beziehungen aufzubauen
  • Misstrauen oder übermäßige Abhängigkeit
  • anhaltende Angst vor Verlust oder Zurückweisung
  • Konflikte in Partnerschaften
  • Probleme mit Selbstwert und Identität
  • emotionale Instabilität

Bindungsstörungen betreffen nicht nur Liebesbeziehungen, sondern auch Freundschaften, Familie und berufliche Beziehungen.

Was helfen kann

  • Traumatherapie (z. B. EMDR, stabilisierende Verfahren)
  • Schematherapie: alte Muster erkennen und verändern
  • DBT/MBT bei starker emotionaler Instabilität
  • Aufarbeitung früher Bindungserfahrungen
  • Beziehungsarbeit in sicherem therapeutischen Rahmen
  • Regulation des Nervensystems (Atemtechniken, Achtsamkeit, Körperarbeit)
  • Stabile Menschen im Umfeld, die verlässlich und sicher sind

Heilung ist möglich aber sie braucht Zeit, Geduld und eine Umgebung, in der Sicherheit langsam wieder gelernt werden kann.

Flashbacks

Was Flashbacks sind

Flashbacks sind unfreiwillige Wiedererlebnisse eines traumatischen Ereignisses.

Betroffene haben das Gefühl, die Vergangenheit würde jetzt passieren mit denselben Emotionen, Körperreaktionen und Bildern.

Es ist keine „Erinnerung“, sondern eine körperlich-emotionale Wiederholung.

Ursachen

Flashbacks treten typischerweise auf bei:

  • PTBS und komplexer PTBS
  • DIS und andere dissoziative Störungen
  • Traumafolgestörungen allgemein
  • Schwerem Stress, Überlastung oder Triggern, die an das Trauma erinnern
  • Übererregtem Nervensystem durch Angst, Schlafmangel oder emotionale Überlastung

Das Gehirn hat das Ereignis damals nicht vollständig verarbeitet und ruft es in Stresssituationen unkontrolliert ab.

Wie sie sich anfühlen

Flashbacks können visuell, emotional, körperlich oder auditiv sein:

  • Bilder oder Szenen des Traumas erscheinen plötzlich
  • Extreme Angst, Panik oder Hilflosigkeit
  • Körperreaktionen wie Schmerz, Druck, Zittern, Atemnot
  • Geräusche oder Stimmen, die gefühlt „echt“ wirken
  • Gefühl, wieder in der Vergangenheit zu sein
  • Verlust von Zeit, Orientierung oder Realität

Viele beschreiben Flashbacks als „Film im Kopf“, andere erleben sie körperlich, ohne klare Bilder.

Auswirkungen im Alltag

  • starke Überforderung
  • Rückzug, Vermeidungsverhalten
  • Schlafprobleme und ständige Wachsamkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Angst vor neuen Flashbacks
  • soziale und berufliche Einschränkungen
  • Erschöpfung durch dauerhafte Anspannung

Flashbacks können das gesamte Leben bestimmen, wenn sie häufig auftreten.

Umgang und Behandlung

  • Traumatherapie (z. B. EMDR, DBT, Stabilisierung, Körperarbeit)
  • Triggerarbeit: verstehen, was Flashbacks auslöst
  • Bodyscan, Atemtechniken, Erdungstechniken
  • Sichere Orte und vertraute Menschen
  • Medikamentöse Unterstützung in schweren Fällen (ärztlich)
  • Struktur und Alltagsstabilität

 

Flashbacks sind kein „Übertreiben“. Es ist eine Schutzreaktion des Gehirns, das versucht, Erlebtes zu verarbeiten. Mit der richtigen Behandlung können sie deutlich schwächer und seltener werden.

Schneidedruck

„Schneidedruck“ beschreibt den drängenden inneren Impuls, sich selbst verletzen zu wollen, meistens durch Schneiden.

Es ist kein „Wunsch, sich zu verletzen“, sondern ein massiver innerer Spannungszustand, der nach Entlastung verlangt.

Das Gefühl kann plötzlich auftreten oder sich über Stunden aufbauen.

 

Schneidedruck ist ein Symptom, kein Zeichen von Schwäche oder Aufmerksamkeitssuche.

Ursachen

Schneidedruck entsteht häufig, wenn das Nervensystem überlastet ist:

  • Extreme innere Anspannung
  • Gefühlsüberflutung (Borderline, PTBS, ADHS, emotionale Instabilität)
  • Dissoziation der Druck dient als Versuch, „wieder etwas zu spüren“
  • Leere, Taubheit, innere Kälte
  • Traumafolgen: belastende Erinnerungen, Flashbacks
  • Unverarbeitete Gefühle wie Schuld, Scham, Selbsthass
  • Depressive Episoden
  • Überforderung, Stress, Konflikte

 

Der Körper versucht, durch Schmerz wieder Kontrolle, Erdung oder Erleichterung zu gewinnen.

Wie sich Schneidedruck anfühlt

  • Drang, „Druck abzulassen“
  • starke körperliche Anspannung
  • Gedankenkarussell, das sich nur um Selbstverletzung dreht
  • Gefühl von Taubheit oder Entfremdung
  • innerer Stress, der kaum auszuhalten ist
  • Zwanghafte Gedanken: „Ich halte das nicht aus“, „Ich muss etwas tun“

Viele beschreiben Schneidedruck als Notfall im eigenen Körper.

Auswirkungen im Alltag

  • Konzentrationsprobleme
  • Rückzug, Scham, heimliches Verhalten
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Konflikte in Beziehungen
  • Risiko echter Verletzungen
  • Erschöpfung durch dauerhafte Anspannung

Betroffene leiden meistens im Stillen und fühlen sich unverstanden.

Was helfen kann

  • DBT-Skills (Eiswürfel, Chili, Sport, Druck rauslassen ohne Verletzung)
  • Stabilisierungstechniken (Atem, kaltes Wasser, Bodyscan)
  • Traumatherapie / Psychotherapie
  • Anspannung früh erkennen und abfangen
  • Sichere Menschen kontaktieren
  • Reizreduktion und klare Strukturen
  • Medizinische oder therapeutische Unterstützung, wenn der Druck extrem ist

Wichtig: Schneidedruck ist ein Zeichen, dass jemand überlastet ist nicht, dass er „aufgeben“ will.

Mit der richtigen Hilfe können Anspannung und Druck deutlich weniger werden.